Wenn das Kinderzimmer zum Klassenzimmer wird

Home-Schooling

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Seit Wochen ist das Zuhause ein Ort, an dem sich (fast) das ganze Leben abspielt. Neben dem Home-Office ist es jetzt auch noch für die meisten Kids zum Home-Schooling-Ort geworden. Nicht ganz einfach für alle Beteiligten.

Homeschooling

Wir haben nachgefragt bei Ulrike Krieglstein. Sie kennt beide Seiten – als Mutter von zwei Jungs und Kon-Rektorin an der Birkenwald-Schule.

Frau Krieglstein, Sie sind Lehrerin und zweifache Mutter. Wie kommen Sie persönlich mit Home-Schooling klar?

Als Mutter unterstütze ich meine Kinder beim Vorbereiten der Materialien fürs Home-Schooling: Beim Ausdrucken, Teilnehmen an Videokonferenzen oder beim Hochladen der Hausaufgaben.
Aber so ganz selbstständig geht es dann doch nicht… Gerade mein jüngerer Sohn (5. Klasse, Gymnasium) braucht mich zu Hause vor Ort, um ihm den Stoff zu erklären. Nur so kann er die geforderten Aufgaben dann bearbeiten.
Ich finde, jeder Lehrer sollte sich bei der Auswahl seiner Arbeitsaufträge klar machen, dass die Eltern nicht das gleiche leisten können wie ein Lehrer und sie auch nicht der Lehrerersatz für das Kind sind. Außerdem ist das eigene Zimmer/das Elternhaus nicht gleichzeitig das Schulhaus. Auch der Raum hat eine Wirkung auf den Schüler und beeinflusst das Lernen, genauso wie die Mitschüler, die Unterrichtsinhalte wiederholen und durch eigene Beiträge ergänzen.

Als die ersten Schulschließungen durchgeführt wurden, war es für einige Schüler der vorgezogene Beginn der Osterferien. Entsprechend niedrig war die Motivation. Wie erkläre ich Kindern, dass Home-Schooling keine Freizeitveranstaltung, sondern eine andere Art von Unterricht ist?

Wenn ich meine Kinder anschaue, dann glaube ich, dass ihnen schon nach der ersten Woche klar war, dass das keine Freizeit ist. Die Menge des Stoffes, die da täglich eingeflogen ist und vor ihnen lag, machte das ganz schnell deutlich.
Schon ein Grundschulkind versteht, dass es Arbeits- und Ausruhzeiten gibt – egal, wie die Arbeitszeit aussieht. Das sehen die Kinder auch an ihren Eltern, die vielleicht zu Hause arbeiten müssen. Ein ausgehängter Kalender mit gekennzeichneter Schul- und Ferienzeit könnte hier auch helfen.

In welche Trickkiste greifen Sie, um Ihre (Schul-)Kinder zu motivieren?

Das wichtigste ist Abwechslung und ein Arbeitsplan für eine Woche mit Pflicht- und Zusatz-aufgaben. Hierzu gehören mal einfache Abschreibaufgaben, dann was zum Denken. Bearbeiten von Arbeitsblättern und Leseaufträge. Wichtig ist auch Bewegung. Kleine Sporteinheiten als Auftrag oder auch mal ein kreativer Baustein, z.B. eine Muttertagskarte oder ein Fensterbild, das man zu Hause oder dann in der Schule aufhängen kann.

Lernvideos und YouTube-Videos können eine willkommene Abwechslung im Lernalltag sein. Ich finde aber, dass sich diese auf den Lernstoff beziehen und mit einem Arbeitsauftrag verbunden sein müssen. Außerdem sollten diese nicht allzu lang sein. Insgesamt verbringen die Kinder durch diese Arbeitsweise eh schon mehr als genug Zeit am PC und sollten eher zu praktischen Übungen als Ausgleich angehalten werden.

Um die gestellten Aufgaben zu erledigen sind die Kinder häufig viel länger am Handy, PC und Co – auch, um mit ihren Freunden per Video-Chat oder Klassenchat in Kontakt zu bleiben. Wieviel Kontrolle braucht es hier durch die Eltern?

Ich halte die Kontrolle der Eltern für unerlässlich. PC, Videos, Chats etc. sind alles digitale Medien, die ständig konsumiert werden. Das sollte man sich stets bewusst machen und für Abwechslung dazu, z.B. durch Bewegung im Freien, sorgen.

Außerdem kennt jeder seine „Pappenheimer“… Wie auch in der Schule, suchen Schüler nach Ablenkung vom Lernen. Fühlt sich der Schüler unbeobachtet (und das gilt auch zu Hause) loggt er sich schnell mal aus dem Lernprogramm aus und in ein PC-Spiel ein. Da sollte man als Eltern schon einen Blick darauf haben. Sind beide Eltern berufstätig und lernt das Kind den ganzen Vormittag alleine zu Hause, könnte das problematisch werden.

Was raten Sie Eltern, die durch die Mehrfachbelastung an ihre zeitlichen, technischen und auch persönlichen Grenzen stoßen?

Suchen Sie bei Problemen offen den Kontakt zum Lehrer. Tauschen Sie sich mit ihm aus und holen Sie sich Tipps. Lehrer kennen ihre Schüler ganz gut! Lehrer sollten den Eltern sowohl digitale und als auch analoge Kommunikationsmöglichkeiten anbieten, um den Unterschieden in der häuslichen Ausstattung und in den Bedürfnissen jedes Einzelnen gerecht zu werden.

Das Wichtigste und im Mittelpunkt meine Tuns – sowohl als Mutter als auch als Lehrerin – ist das Wohl des Kindes. Überlegen Sie sich immer: Was tut meinem Kind und uns als Familie gerade gut? Was ist zu erledigen und wie können wir das bestmöglich – für Kind, Eltern und in der Familie – organisieren? Und dabei darf auch einmal etwas liegen bleiben von all den Home-Schooling-Aufgaben.

Erhöht Home-Schooling die digitale Kompetenz unserer Kinder?

Ja. Kinder lernen, wie sie an einer Videokonferenz teilnehmen können, erkennen, wann eine Videokonferenz sinnvoll ist und wann Zeitverschwendung. Sie lernen verschiedene Lernprogamme und ihre Vor- und Nachteile kennen, verschaffen sich einen Überblick über die Lernaufgaben, z.B. in Mebis, und üben den Umgang damit.

Hand auf's Herz: Läuft es bei Ihnen problemlos oder wünschen Sie sich auch den ganz normalen Alltag zurück?

Sowohl als Mutter als auch als Lehrerin wünsche ich mir den normalen Alltag wieder zurück. Ich vermisse meine Arbeit in der Schule, die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, meine Schüler. Ich bin gerne Lehrerin für andere Schüler, aber nicht für meine eigenen Kinder. Ich denke, das kennt jeder aus eigener Erfahrung: Was die Lehrerin sagt, das wird meist gemacht. Was die Mama sagt, wird erst einmal angezweifelt.

5 Tipps, damit es im Home-Schooling läuft

Strukturieren Sie zu Wochenbeginn den Stoff nach Menge und Fach mit Ihrem Kind. Beziehen Sie hier die Vorlieben Ihres Kindes ein:

  • Fächer in der Reihenfolge des Stundenplans abarbeiten
  • Täglich je eine Lerneinheit in den Hauptfächern
  • Wer noch Energie hat, kann dann in den Nebenfächern arbeiten
  • Pro Tag mit dem Kind eine Lerneinheit vorbereiten
  • Abhaken, was erledigt ist

Ihr Kind braucht einen Platz, an dem es in Ruhe arbeiten kann. Alles, was ablenken kann, z.B. Spielsachen, Handy, kommt erst mal weg.

Vereinbaren Sie Frischluftpausen ohne Handy oder TV und machen Sie einen Termin, zu dem es mit dem Lernen weitergeht.

Zeigen Sie Ihrem Kind, wie digitales Arbeiten geht. Bearbeiten Sie z. B. das Material auf der Lernplattform gemeinsam. Ihr Kind klickt und Sie leiten es an.

Nehmen Sie Kontakt mit dem Lehrer auf, wenn es Fragen oder Probleme bei der Stoffmenge, den Inhalten oder der Gestaltung des Alltags geht. Bitten Sie einfach um Unterstützung per Mail, Telefon oder per Videokonferenz. Übrigens: Auch Lehrer freuen sich mal über eine positive Rückmeldung!

In diesem Sinne – gutes Durchhalten. Und: Wie auch schon vor Corona-Zeiten gibt es gute und schlechte Tage.

Vielen Dank, Frau Krieglstein!

Digitale Helfer fürs Lernen zu Hause

Durch die Corona-Krise sind viele Bereiche unseres Lebens digitaler geworden – die Kommunikation, das Arbeiten und auch das Lernen. Auch wenn die Geschäfte und Schulen langsam wieder öffnen, wird diese Art der Wissensvermittlung auch künftig bestehen bleiben.

Das Schulserviceportal Jugend und Finanzen der Volksbanken Raiffeisenbanken hat deshalb digitale Lernangebote entwickelt, die entweder von zu Hause oder in der Schule genutzt werden können.

 

Wir wünschen allen Eltern, Lehrern und den Kids gute Nerven und vielleicht ist auch für Sie der eine oder andere Tipp dabei!

Gerne sind wir bei Rückfragen auch persönlich für Sie da. Vereinbaren Sie gerne online einen Beratungstermin oder ein Telefongespräch.

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